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Webspace Prof. Dr. Frank Hartmann





FORSCHUNGSSTELLE VISUELLE KULTUR


Die akademischen Beiträge zum Problemfeld "Visualität" bestehen bislang in wesent- lichen Teilen aus der Eingemeindung der Bildthematik (Bildtheorie, Bildwissenschaft) in den Kanon der jewiligen Disziplin. Die FORSCHUNGSSTELLE VISUELLE KULTUR an der Fakultät Gestaltung der Bauhaus-Universität Weimar sucht die Thematik neu zu besetzen, entsprechende Methodologien zu entwickeln und Theorien zu formulieren, um diese in die künstlerisch-gestalterische Praxis im Sinne einer Trans-Disziplin konstruktiv zu integrieren.
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Forschungsfelder
  • Visuelle Stereotypenforschung und visuelle Kompetenzentwicklung
  • Dokumentation und Vernetzung von Designforschung
  • Experimentelle Ausdrucksmodalitäten im Kontext künstlerischer Forschung

Aktuell
  • Schriftenreihe Visuelle Kultur, Band 1

    Michael Buckland: Vom Mikrofilm zur Wissensmaschine. Emanuel Goldberg zwischen Medientechnik und Politik. ISBN 978-3-86938-015-5
    Berlin: Avinus 2010, 380 S., 38,- Euro

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    Als Chemiker, Ingenieur und Gründer von "Zeiss Ikon" beeinflusste Goldberg maßgeblich die Bildtechnologien in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Er war gewissermassen Erfinder der ersten Suchmaschine. Bereits 1925 entwickelte er eine Apparatur, das das Suchen, Auffinden und Anzeigen von beliebig vielen Dokumenten möglich machte. In dieser Statistischen Maschine, wie er sie in Deutschland und den Vereinigten Staaten patentiert hat, kamen verschiedenste Technologien auf kreative Art und Weise zusammen: Mikrofilm für das Speichern von Dokumenten; Lochcodes für die Spezifikation der Suchanfragen; Elektronik für das Auslesen von Metacodes.

    Goldberg leistete Pionierarbeit, denn die Statistische Maschine scheint der erste Bildschirmarbeitsplatz mit elektronischen Komponenten gewesen zu sein und darüber hinaus das erste System zur Auffindung von Dokumenten, das über die Lokalisation von Einträgen mit bereits bekannten Positions­adressen hinausging und sich dem wesentlich anspruchsvolleren Unterfangen widmete, Dokumente hinsichtlich bestimmter Suchkriterien suchen, auswählen und abbilden zu können.

    Michael Buckland zeichnet hier eine unglaubliche Lebensgeschichte nach, die nicht nur Goldbergs Kreativität und Genialität honoriert, sondern auch ein intellektueller und gesellschaftlicher Spiegel einer historisch wichtigen Zeit für die Geschichte der Informationstechnologie ist.

    "In einer Kultur, aus der Computer und das Web nicht mehr wegzudenken sind, mag es überraschen, dass die Frage wie es zu all dem kam, noch nicht zufriedenstellend beantwortet ist. Das liegt zum Teil wohl daran, dass Kulturwissenschaftler mit Texten arbeiten und andere Quellen, wie Archive und Patentämter, eher vernach- lässigen, oder dass solche Quellen verschüttet sind. Manchmal aber gelingt jemandem ein anderer Zugang, und dies kann sich dann als Glücksfall erweisen.

    Bei vorliegendem Buch ist das der Fall. Michael Buckland hat mit akribischer Forschungsarbeit die medienarchäologische Quellenlage nachhaltig verändert. Sie zeigt nicht nur die ingenieurstechnischen Grundlagen unserer visuellen Kultur, sondern führt vor, wie diese sich in kleinen Optimierungsschrittten der grafischen Reproduktionstechnik, Fotochemie, Kamearatechnik, Mikrofilm und Wissensarchivierung im Übergang vom mechanischen zum elektronischen Zeitalter formiert hat. Sie stellt den vergessenen Ingenieur Goldberg vor, einen ebenso begabten wie kreativen Menschen ganz auf der Höhe seiner Zeit, der aber auch von seiner Zeit verschluckt wurde. Keine Technik bleibt frei von den Zwängen aus Politik und Wirtschaft, und es ist ganz lehrreich zu verfolgen, wie es in diesem Fall zu einer Verzerrung der Wahrnehmung kam.

    Die Entscheidung, die deutsche Erstübersetzung dieser Studie als ersten Band in die "Schriftenreihe Visuelle Kultur" aufzunehmen, war nicht schwer zu treffen. Sie wird im Rahmen meiner Professur "Geschichte und Theorie der Visuellen Kommunikation" an der Fakultät Gestaltung der Bauhaus-Universität Weimar herausgegeben, und da Medientheorie ohne Mediengeschichte nicht denkbar ist, kann ich mir keinen besseren Forschungsbeitrag vorstellen als diesen, der die Geschichte nicht nur bereichert, sondern in wesentlichen Teilen auch umschreibt."

    Vorwort des Herausgebers, Frank Hartmann


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